Bericht Kanulager Sesia 2011

Lagerbericht vom 16.7.2011/ Anreise

So früh wie dieses Jahr fuhren wir seit ich mit dem KCO unterwegs bin noch nie ab. Bereits um 5 Uhr morgens starteten wir in Sarnen. Nach der ersten Verkehrsmeldung, Kilometer Stau am Gotthard, entschieden wir uns via Brünig, Grimsel, Simplon zu fahren. Auf diesem Weg hatten wir viel weniger Verkehr. Unser erster Treffpunkt war direkt beim Campingplatz. Benno, Silvan und ich legten in der

Nähe von Domodossola eine kleine Kaffepause ein. Wir kamen um halb 12 an. Sebi und Kenny kamen etwa eine Stunde später mit dem Anhänger an. Anschliessend bauten wir die Zelte auf und errichteten unser Gruppenzelt. Danach machten wir uns auf den Weg nach Scopello. Dort tätigten wir noch diverse Einkäufe und schauten noch ein paar verrückten Downhillern zu. Im Moment sind wir zurück auf dem Campingplatz. Sebi ist am züüslä, ich schreibe den Bericht und Kenny und Silvan kochen uns etwas feines. Ä rächtä guätä!!

Tropfende Geräusche wecken mich am Morgen. Ich habe den Verdacht, dass der Wetterbericht recht hat und uns ein nasser Tag

erwartet. Die Motivation ist nicht gerade hoch also beschliesse ich, mich nochmals in meinen warmen Schlafsack zu verkriechen. Die Stimmen von Benno und Sebi, welche das „Zmorgenbuffet“ anrichten, lassen mich, nach einer Weile trotz des Wetters aus dem Schlafsack kriechen. Wir verbringen den Tag mit der Besichtigung von Varallo wo wir auf eine Messeveranstaltung treffen. Silvan beschliesst an einer Schiessbude sein können zu demonstrieren und gewinnt tatsächlich ein Trikot von Inter Mailand. Die Küchenmannschaft entscheidet, dass heute Abend Pizza angesagt ist. Und so verbringen wir den Abend bei Alberto und seinem vorzüglichen essen. Hoffentlich hat sich der Wetterbericht für morgen geirrt, und uns erwartet ein warmer trockener Tag.

 

Montag den 18. juli

Und er hat sich geirrt. Anstatt dem tösenden Sesiarauschen unmittelbar neben dem Camping, weckten mich an jenem Morgen die flach einfallenden Sonnenstrahlen. Die Stimmung unter uns Ferienbuben war deutlich angestiegen als wir an der Tischgarnitur gemeinsam Frühstück zu uns

nahmen und uns die Sonne ins Gesicht lachte. Nach einem deftigen Frühstück mit VS- Roggenbrot, Nutella und Shockedcottagecoffee machten wir uns bereit um das Abenteuer „ValleSesia“ in Angriff zu nehmen. Wir planten eine etwa 9 km lange Kayakfahrt von Piode nach Scopetta. Der Wasserstand befand sich dank den vergangenen heftigen Rägenfällen auf einem guten bis zuguten Level.

Schon wenige Paddelmeter nach der Einbootstelle, vorderte eine kurze Stromschnelle mit Walzenausgang unsere eher eingerosteten Kayakfähigkeiten. Nach ein paar „Down-under“ fuhren wir weiter die Sesia hinunter. Eine weitere einzelne Stufe mit darunterliegender Walze bedurfte einer Besichtigung.

Jene Walze hinter uns gelassen, folgten zahlreiche kleinere Stromschnellen und Bachverängungen, welche sich in einem regelmässigen Rytmus mit ruhigeren Flussabschnitten abwächselten.

Nach einer schönen und unkomplizierten ersten Kanufahrt, booteten wir unmittelbar vor der Balmucciaschlucht aus. Den Eingangskatarakt in die Balmucciaschlucht erschien nach unserer Besichtigung als eher nicht fahrbar, da durch den hohen Wasserstand eine

Waschmaschinenartige rücklauf- Parkplatz-situation am Ende der Bobbahn (wie die Stelle auch genannt wird) anzutreffen war. Nach unserer Bootfahrt betätigten wir noch einige Einkäufe im Supermarkt in Varallo um das Abendessen zu komplettieren. Die Carbonarateiggmuscheln         gekocht von Elias und Severin waren unglaublich deliziös.

Den Rest des Abends liessen wir bei Cafe und komischen Gesprächen über den Sinn des Lebens, gemütlich ausklingen.

 

Dienstag 19.07.11

Um halb zehn weckte uns ein piemontesisches Trommelorchester, welches direkt über unserem Zeltdach ein feuchtes Konzert gab. Ohne Applaus verliessen wir unsere Zelte und begaben uns an den Morgentisch. Nach einem ausgiebigen Frühstück, haben wir festgestellt, dass die Paddelstimmung erneut einen Tiefpunkt erreicht hat (vorallem weil die Neoprenanzüge über die Nacht im Regen verbracht hatten). So haben wir uns nach dem Frühstück in der Beiz bei Alberto wieder eingefunden. Bei einer Runde Charon (Tischbilliard) mit Kaffeelatte und Espresso habe wir die ersten Tagesstunden hinter uns gebracht. Um zwölf Uhr brachen wir ohne genauen Plan und ohne Kanuausrüstung einfach mal Richtung Varallo auf. Eine schmucke Pizzeria mitten in der Altstadt warb mit WLAN Internet Anschluss, dem unsere Facebook-Jugend nicht widerstehen konnte.

Nebenbei waren auch die Pizzas ganz ordentlich. Als wir um 15:00:00.0 wegen Mittagspause auf die regnerische Strasse gestellt wurden, machten wir uns zu einer Egua- Besichtigung auf.

Wir vermuteten, dass die Egua bei solch regnerischem Wetter ein durchaus fahrbaren Wasserstand führen würde. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Die normalerweise steile technische Egua wurde zu einem Wuchtwassersturzbach für Lebensmüde.

Bei den obligatorischen Cappucini bei Alberto haben wir uns und sogar unsere Schuhe und Socken getrocknet. Dazu hatte Alberto extra den Holzofen angefeuert.

Unterdessen hat der nasse Kenny bereits die Kohle für die vier toten Hühner, welche über Nacht in der Biermarinade ersäuft wurden, eingeheizt. Sogar der Regen hatte dazu nachgelassen. Wir verputzen die vier Hühner und genossen den restlichen Abend gemütlich in einer Runde ums Lagerfeuer.

 

Mittwoch 20.07.11

Heute Morgen wurden wir eher früh aus unseren Träumen gerissen, denn Benno hat uns schon um 10:30 Uhr geweckt. Die Sonne zeigte sich von ihrer schönsten Seite und lachte uns mitten ins Gesicht. Nach einem reichhaltigen Frühstück mit Cerialien, machten wir uns auf die Socken Richtung Scopello, kurz umgezogen und

schon eingebootet, ging es los um die Stromschnellen flussabwärts Richtung Scopetto zu bezwingen. Die ganze fahrt verlief reibungslos mit fast keinen Schwimm- und Rettungsaktionen.

Als wir dann alle mit einem breiten Grinsen ausstiegen, gab es ein KCO mässiges Mittagessen mit diversen italienischen Spezialitäten und natürlich reichlich Mayonnaise.

Am späten Nachmittag fuhren wir noch Flussaufwärts um unsere Heimstrecke zu befahren. Wir nennen sie Heimstrecke weil sie bis zu unserem Campingplatz führt und wir dort ausbooten können. Diese Strecke überzeugte uns trotz ihrer kürze mit einigen schönen Stellen und einer prächtigen Landschaft.

Als wir alle wieder in unseren trockenen Kleidern steckten

ging es auf ein Bier zu Alberto. In der Zwischenzeit haben Benno und Sebi unser Abendessen gekocht, es gab Ebli mit Speck und Zwiebeln. An dieser stelle muss man die Kochmannschaft besonders loben, denn sie haben es geschafft aus dem Bioladeneinkäuferveganeressen Ebli ein richtiges Männeressen zu zaubern. Zum Abschluss des Tages sassen wir alle um unser Lagerfeuer und erzählten uns Räubergeschichten, wie es sich halt gehört im Lager.

 

Donnerstag, 21. 7. 2011     Benno T.

„Die Egua ist bei einem Gefälle von 150 Promille so ungefähr das Steilste, was die Alpen an fahrbaren Bächen zu bieten haben. Sie stürzt in zahlreichen hohen Fällen dem Stausee entgegen. Schwierigkeiten fast durchweg WW VI mit Stellen WW VI+ …“ so ist unser heutiges Ziel und Kanulagerhöhepunkt 2011 im DKV-Kanuführer beschrieben.

Gleich nach dem Frühstück, so um die 12.30 Uhr, laden wir die benötigten vier Kajaks auf den Subaru von Elias, der sich als Chauffeur zur Verfügung stellt. Kenny fährt nicht mit uns, da er einen wichtigen Termin in Milano hat. Seine neue Unterkunft soll dort aufs Dach des Patrol montiert werden!

Um 13.15 Uhr halten wir schnell beim Stausee von Rimasco an und schauen, ob sich der Wasserfall unterhalb der Staumauer etwas beruhigt hat. Er hat, denn vor zwei Tagen bei strömendem Regen donnerten hier Unmengen von Wasser in die Tiefe.

Bereits drei Viertelstunden später hat Severin als letzter von uns vier (Sebastian, Silvan, Severin, Benno T.) den Startwasserfall befahren und die abenteuerliche Expedition kann beginnen.

Herrlich verblockte Stellen mit kleinen und grossen Stufen wechseln sich ab und führen dieses wilde, natürliche Treppenhaus hinunter. Meistens steigen wir aus und begutachten die nächste Fahrroute. Dank des Regens der Vortage geniessen wir einen für den Juli traumhaften Wasserstand und manch eine Walze versucht uns zurück zu halten und hie und da ist auch eine Eskimorolle fällig.

Vor Schwimmern bleiben wir vorläufig zum Glück verschont. Einmal slidet Silvan sogar bei einer verblockten Stelle einige

Meter quer zum Bachverlauf über eine Felsrippe. Nach zweieinhalb Stunden anstrengendem Kehrwasserfahren, Aussteigen, Klettern, Begutachten, Entscheiden, Sichern, Einsteigen, Hinunterkämpfen und Geniessen lässt meine Konzentration und Kraft etwas nach und weil Elias grad mit dem Auto in der Nähe ist, beschliesse ich auszusteigen. Lobenswerterweise schleppt Sebastian sogar das Kanu seines alten Lehrers zum Auto hinauf und darf als Belohnung noch schnell eins rauchen.Für die drei Übriggebliebenen folgen nun noch einige hundert spannende Meter mit grossen Doppelfällen, Schrägrutschen und anderen schwierigen Passagen bis zur Ausbootstelle unter dem Röhrenfall. Dieser mehrere Meter hohe, wuchtige Wasserfall schiesst über eine Felsrutsche in einen schäumenden Topf mit Rücklauf zwischen senkrechten Felswänden unter einer Brücke. Zu Severins späterem Bedauern, entschliesst sich Silvan als erster zu fahren. Sebastian wird von Elias am Seil gesichert und steht als Schwimmer bereit. Ich fotografiere von der Brücke aus.

Die Einfahrt und der Sprung gelingen tadellos,

nur schwimmt leider das Kanu nach der Landung mit der Spitze senkrecht nach unten und treibt langsam im Rücklauf nach hinten. Silvan paddelt

tapfer vorwärts. Seine Spritzdecke hat sich bei der Landung geöffnet und das Boot ist vollgelaufen. Sebastian schreit Silvan zu, das Kajak sofort zu verlassen und springt mutig in den weissen Schaum um ihn heraus zu ziehen.

Nun folgt ein gewaltiger Kraftakt von Elias, der mit vollem Einsatz die beiden am Seil aus der Strömung zieht. Das Paddel hat sich unterdessen auch befreit und kann von Silvan am Davonschwimmen gehindert werden. Die Bruchstellen hatte es sich schon im oberen Teil der Egua zugezogen. Der rote Diesel allerdings dreht immer noch im weissen Rücklauf unter dem Wasserfall seine Runden und zwingt so unseren Helden Sebastian zum zweiten wagemutigen Sprung in die unberechenbaren Fluten.

Alles läuft nach Plan und glücklich (ausser Severin, der halt schon noch gern gefahren wäre) tragen wir die Boote

zum Auto. Als Kenny um halb neun immer noch nicht aus Mailand zurück ist machen wir uns Sorgen. Sein Handy ist ausgeschaltet (und liegt im Zelt). Das Hackfleisch fürs Nachtessen hätte er auch bringen sollen. So beschliessen wir um 23 Uhr bei der Polizei nach zu fragen, wenn wir bis da noch nichts von ihm gehört haben und dass Severin und Elias die Teigwaren sofort mit Salami kochen. Wir sind sehr erleichtert, als Kenny um 21.30 Uhr gesund zum Essen erscheint und uns erklärt, dass er das Dachzelt halt beim Hersteller abholen musste, da es noch nicht beim Händler eingetroffen war… Viva Italia!

 

Freitag 22.07.11

Auch heute zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite, welche man erst nach zwei Tagen Regen so richtig zu schätzen weiss. Um uns für den heutigen Bach zu stärken gibt es ein richtig deftiges Frühstück — Hamburger. Wir geniessen die Sonne und wollen nicht so richtig in die Gänge kommen, so dass wir erst gegen Mittag aufbrechen. Wir booten bei Piova ein, wo Severin seinen Mut beweist und als einziger den Wasserfall fährt. Dann folgt eine tolle Fahrt mit einigen kniffligen Stellen die von allen problemlos gemeistert werden. Um den Fluss auch für die geübteren Paddler unter uns spannend zu gestallten haben sie die Möglichkeit ihre Rettungstechnik zu verbessern. Bei meinen zahlreichen Schwimmeinlagen hat sicher jeder einmal das Boot abgeschleppt.

Den letzten Abend lassen wir bei Alberto bei Pizza oder Calzone ausklingen. Was für ein toller Ort das Vale Sessia doch ist. WIr werden bestimmt wieder kommen.

 

Fotos vom Lager gibts hier:

 

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