KCO Teletuir 2022



Ostermändig, 18.04.22

Gemsfairenstock 2971 m

von Tono Imfeld


Endlich ist es soweit der Wecker läutet und ich darf aufstehen!


Ostermontag heute startet die Teletourenwoche. Im 6.54 Zug nach Luzern fehlt nur Chrigel der sich in Thalwil um 7.21 mit feinem Znini (Dankä Chrigel) zu uns gesellt. Zwei lauschige Zugstunden später kommen wir zuhinterst im Kt. Glarus (Linthal) an. Die Suche nach einem Cafe ist vergebens, aber dafür kommt schon bald unser Taxi angerauscht, welches uns auf den Urnerboden bringt, wo wir direkt ins Gasthaus Urnerboden stechen.


Epä am elfi bringt uns das Seilbähndli auf den Fisetengrad, und damit in den Schnee (es gibt ihn also doch noch)! Hier schnallen wir die Ski an und schlorpen bei herrlichem Wetter Richtung Gemschfairenstock. Meineid scheen!


Auf dem Gipfel angekommen: Hammer Weitblick in alle Richtungen. Selbstverständlich muss dieser Tag mit einem Gruppenfetäli für unsere Nachwelt festgehalten werden. Der nächstbeste Passant muss daran glauben und darf uns ins beste Licht rücken. Kein geringerer als der 24-fache Weltcupsieger Pitsch Müller wollte von uns ein Foto machen. Durfte er natürlich und es gab dann sogar noch eins mit ihm in der Mitte! Pitsch sorgte auch gleich für das Wochenmoto (das isch Micky Maus). Er bezog sich auf einige Passagen in heutigen Weltcupafahrten im Vergleich zu früher wo halt alles noch ein bisschen "strohballiger" war.


Mit 19 Abfahrtssiegen hat Pitsch am 2 meisten Abfahrtssiege nach Franz Klammer mit 25 Siegen.


Weiter gings mit einer etwas zu sulzigen Abfahrt in die Clariden Hütte (ein wahres Bijou unter den SAC Hütten). Die Terrasse offen und das Bier kaltgestellt und sogar einige Liegestühle standen bereit zur Benutzung. Ein toller Einstieg in die Teletourenwoche, wenn das so weiter geht diese Woche, dann hängen wir grad noch ein paar Tagen an…

 

Dienstag, 19.04.22

Clariden 3267m

von Marcel Spichtig


Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht (Tono brauchte nicht einmal sein 10er-Pack Ohrstöpsel) starteten wir unter perfekten Bedingungen in den Tag. Ausschlafen bis 7.00 Uhr und feines Zmorgenessen, was will man da noch mehr.


Wir verabschiedeten uns von Angi, der Hüttenwartin, ihrem Partner und dem Hund Grigio. Ja, er soll sogar Türen öffnen können. In diesen Genuss kamen wir leider nie. Die Felle montiert, LVS gecheckt und schon liefen wir mit der Sonne im Rücken los, begleitet von unseren Abfahrtsspuren vom Vortag und dem Gämsfairenstock.


Auf dem Claridenfirn legten wir eine Pause ein und testeten noch schnell die Gleiteigenschaften von Salami und Trinkflasche. Danach gings empor zum Skidepot. Steigeisen montiert, umgeschraubt und angepasst und los gings für den letzten Anstieg zum Gipfel. Wer hätte gedacht, dass Frau Stocker’s Steigeisen noch in den Einsatz kommen. Geschafft, wir waren auf dem Gipfel! Herrliche Rundumsicht, blauer Himmel und Glückseeligkeit. Fürs Gipfelfoto waren gerade noch zwei andere Gipfelstürmer da. Sie müssen ja nicht immer prominent sein.


Wieviel Schuss braucht es nun, um vom Clariden auf den Claridenpass/Hüfipass bis zur Planurahütte zu kommen? Allen war klar, wenn, dann nur mit Peter Müller Hocke und Vollgas. Ob nun Tono, Foxi oder Minä die Nase vorne hatte, weiss ich nicht mehr. Aber auch Sie mussten alle zum Schluss noch skaten und den leichten Anstieg überwinden. Meine Energievorräte liessen dies nicht mehr zu, aber es geht ja auch Schritt für Schritt. Und man hat so auch viel mehr vom Panorama und vom gewaltigen Planurakolk. ;-).


Für den letzten Teil zur Planurahütte, mussten dann die Skis noch getragen werden. So viel Schnee hat’s nun halt nicht mehr. Die Hütte liegt imposant auf einem Felsvorsprung. Es war geschafft und das erste Bier des Tages verdient. Trotz Sonnenschein verschlug es uns dann aber bald ins Innere. Der stetige kalte Wind liess uns nicht viel Zeit die Terrasse zu geniessen.


So widmeten wir uns dem klassischen Hüttenleben. Die Hütte war ziemlich gut besetzt und so war es dann auch dementsprechend eng. Ja, die Claridenhütte hatte halt schon mehr Sterne und war komfortabler. Aber entscheidend für den Jasserfolg war dies ja nicht. Hauptsache Kuchen, Kaffee, Tee, was will man da noch mehr … Ausser dann natürlich ein feines Znacht und eine erholsame Nacht.

 

Mittwoch, 20.04.22

Schärhorn 3296 m

von Felix Fischbacher

Nach einer kalten, heiteren Nacht und gutem Schlaf auf fast 3000 m Höhe konnten wir gemütlich mit der Sonne um halb sieben aufstehen. Die Strahlen wärmten durch das Fenster in die Hütte, und das frühe Licht gab der Gebirgswelt eine einzigartige Farbe. Auch die Kolke, die sich unmittelbar bei der Planurahütte befinden, boten ein wundersames Licht- und Schattenspiel. Das Schärhorn, das klassische Tourenziel vor Ort, liegt sozusagen vor der Haustüre der Planurahütte, und es sah nach einer kurzen Skiwanderung aus. Richtung Hüfipass querten wir den gleichnamigen Firn und erreichten dank gefrorener Schneedecke den Wandfuss des Schärhorns bequem innert Kürze. Tatsächlich sind es 4 km Distanz, die wir wegen der klaren Sicht in dieser Höhe viel näher einschätzten.

Der Aufstieg, im letzten Teil ohne Ski, wurde von einer leichten Kräsmerei gekrönt, um dann bei schönstem Wetter und einer beeindruckenden Fernsicht den Gipfel zu geniessen. Das Panorama umfasste den halben Alpenbogen vom Tirol bis zur Dufourspitze. Eindrücklich! Die Abfahrt war wegen des leichten Winds nicht sulzig, sondern eher noch kratzig und führte uns auf den flachen mittleren Hüfifirn, von wo wir wieder zur Planurahütte aufstiegen. Die Windkolke - der bei der Planurahütte sei der grösste in Europa - sind wie von Künstlerhand gefertigt und reizvoll. Ich liess es mir nicht nehmen, einen solchen Rundbogen auch mit den Ski auszufahren – fast wie in der Bobbahn.

Zurück auf der Hütte kompensierten wir den verlorenen Schweiss sofort mit isotonischen Getränken. Dabei gab es Abwechslung in Form von Helikoptern diverser Marken, die auf dem Hüfipass ihre Pflichtlandungen absolvierten. Die Attraktion war der kleine Robinson-Heli, welcher von der "Gucci"-Pilotin in stylishen Leggins geflogen wurde. Sie liess nichts anbrennen und zeigte beim Abflug, dass sich auch mit einem Helikopter der Kolk ausfliegen lässt.

Unterdessen entdeckten wir die Heli-Plattform neben der Hütte als Sonnendeck. Und so legten wir uns für ein Nickerchen eben dort hin – und auch in die seitlichen Fangnetze. Ein Sujet für die Papparazzi. Diese Ruhe… – bis zum nächsten Heli☺. Beliebt war das Sonnendeck auch als Telefonkabine, da es der einzige Ort auf der Hütte war, wo es Netzempfang gab. Freie Sicht nach Westen: Rechtzeitig zum Nachtessen wurde von der Regie wie gestern ein wunderschöner Sonnenuntergang eingespielt. Bemerkenswert übrigens, was die Hüttenwartin, deren spröder Charme sich uns zwar nicht ganz erschloss, in dieser kleinen Küche für die Gäste auf den Tisch gezaubert hat. Wir hingegen zauberten dann noch mit den Jasskarten, bis das Licht ausging.

Windkolk: Ein Windkolk (auch Gletscherkolk) ist ein durch starke Windtätigkeit an einem Hindernis, beispielsweise einem Felsblock, entstandener Freiraum im Gletscher oder Schnee. Voraussetzung dafür sind starke, gleichmäßig wehende Winde („Prevailing winds“). Durch die Düsenwirkung wird der Schnee ständig erodiert. Derartige Strukturen können auch an künstlichen Hindernissen beobachtet werden, wie Gebäuden oder Zäunen. Der Effekt wird auch bei der Lawinenverbauung genutzt, zum Teil wird dieser mittels Kolktafeln beim Verwehungsverbau bewusst ausgenutzt.



 

Donnerstag, 21.04.22

A) Zur Cavardiras Hütte

von Mek Fischbacher


Am Morgen nehmen wir Abschied von der Planura Hütte. Heute ist es richtig ruhig auf dem Gletscher, verglichen mit dem regen Flugbetrieb von gestern. Wir fahren über den noch harten Hüfifirn bis circa 2600m hinunter und steigen dann zur Fuorcla da Cavrein auf. Eine kurze Kletterstelle braucht es noch und dann stehen wir oben. Vor uns liegt das Val Gronda da Cavrein, ein Ecken der Schweiz der kaum betreten wird. Es erwarten uns 1000 Höhenmeter perfekter Sulz. Was folgt ist Genuss pur, einfach nur herrlich.


Auf der Alp Cavrein entscheidet sich Silvio schweren Herzen direkt ins Val Russein weiter abzufahren. Leider können die Telemärkler dieses Jahr nicht mit blasenfreien Füssen punkten. Fast alle haben irgendwo ein Wehwechen. Bei Silvio sieht es aber ganz übel aus, da sich die Wunde entzündet hat.


Der Rest nimmt den Aufstieg zur Cavadiras Hütte in Angriff. Die Kehrseite des herrlichen Wetters ist jetzt die Sonne, die die 800 Höhenmeter schweisstreibend unterstützt. Tono und Foxi kommen als erste bei der Hütte an. Da die Cavardiras Hütte im Winter nicht bewartet wird, können wir selbst schalten und walten. Die ganze Hüttenmauer wird mit Kleidern zum Trocknen ausgelegt und mit einem Bier in der Hand auf dem Bänkli vor dem Huisli die Aussicht genossen.


Langsam treibt uns die untergehende Sonne und die aufkommende Kälte in die Hütte an die Wärme. Auf einem Specksteinofen ist Chrigel bereits am Kochen. Es gibt ein herrliches Risotto. Anschliessend noch ein Jass und schon bald sind Alle im oberen Stock am Chnurä.



Donnerstag, 21.04.22

B) Nachmittags-Variante «Ab ins Tal»

von Silvio Rohrer


Nach der fantastischen langen Sulz-Abfahrt von der Fuorcla de Cavrein machen wir auf der Alp Cavrein Sura auf 1800 Meter eine Mittagspause. Ich entscheide mich nach einer Sachabwägung, statt mit den anderen den Aufstieg zur Cavardiras Hütte zu machen, die Abfahrt, respektive den Abstieg durchs Val Russein in Richtung Disentis zu nehmen.


Seit morgens um drei Uhr plagt mich eine Blase (medizinisch Bulla genannt) an der linken Ferse. Sie hat sich entzündet und schmerzt beim Hochsteigen und bei jedem Telemarkknick beim Runterfahren. Die nächtliche Corona Desinfektion der Ferse mit dem Dispenser draussen am Hütten-WC hat nichts genützt.


Ich verabschiede mich. Die anderen steigen rechts den Hang hoch. Ich stöckle über die Alpebene und folge den Wanderwegzeichnen die auf den schneefreien Steinen zum Vorschein gekommen sind. Folge nun entlang der Schlucht an einer schwach sichtbaren Abfahrtsspur, in der Annahme, dass ich so möglichst lange mit den Skis runterfahren kann. An der Waghalsigkeit der Spurlegung war ich überzeugt, dass dies Einheimische waren, die die Abfahrt ins Tal bestens kennen, denn auf der anderen Talseite und weiter unten ist das Val Russein aper.


Abrupt wurde es felsig, ein Seitenbach brachte viel Wasser in den Bach und die Spur war eigentlich schon eher länger nicht mehr sichtbar. Ich kam zum Schluss: Die Annahme war falsch. Ich stieg mit den Fellen nochmals den matschigen Schnee hoch, bis zur einer Brücke über die Schlucht, die ich erst jetzt gesehen habe. Die Brücke führte auf die apere Seite des Tales. Ja, es scheint, dass das der beste Weg ist. So schnallte ich die Ski an den Rucksack und macht mich in den Telemarkschuhen an den Fussabstieg.


Wie ich herausgefunden habe, spürt man die Blasen beim Abstieg überhaupt nicht. Auch nach zweieinhalb Stunden nicht. Dann bin ich nämlich an die Hauptstrasse der Surselva angekommen. Mit einem Daumen hoch stand ich an die Strasse und das erste Auto hält schon an. Der junge Mann aus einem Baugeschäft nimmt mich gleich mit und bringt mich auf den Bahnhof Disentis. Er ist selber Skitourenfahrer und empfiehlt mir die Zweitages-Tour auf den nahgelegenen Piz Posta Biala, übernachten in der Camona da Punteglias und am nächsten Tag auf den Piz Russein (Tödi). Bis vor einer Woche, sagte er, sei er noch das Val Russein hinausgefahren.


In Disentis nehme ich gleich den nächsten Zug auf den Oberalp. Im Zug ziehe ich die verschwitzten Kleider ab und ziehe die Trainerhose und Socken an. Welch eine Wohltat. Mit einer Vespermahlzeit geniesse ich die Glacierexperessstrecke bis Andermatt. Weiter mit dem Zug nach Göschenen, umsteigen auf die alte Gotthardstrecke mit dreimal „ds Chiläli vo Wasse“ nach Altdorf, dort mit dem Postauto nach Stans und dann weiter über den Allweg nach Sarnen. Ein schönes Nachmittagsreisli.


War eine super Telemarktourenwoche, vielen Dank an Tono und Mek für die Tourenplanung.

 

Freitag, 22.04.22

unser heutiges Ziel ist der Oberalpstock auf 3328m.ü.M

von Armin von Rotz


Um 7 Uhr war Tagwache auf der wunderschön gemütlichen Cavadiras Hütte, die auf 2649 m.ü.M liegt. Nach dem einfachen Frühstück hiess es dann noch Hütte putzen. Die Hütte mit einem sehr grosszügigen und schönen Winterraum war schnell geputzt, sodass wir um kurz vor 8 Uhr abmarschieren konnten.


Über den Brunnifirn ging es gemächlich zum Fusse des Oberalpstockes und von da aus etwas steiler zum Skidepot auf 3180 m.ü.M. Ohne Rucksack, mit Steigeisen und Pickel ging wir weiter richtig Gipfel. Ausser Chrigel, er liess es sich nicht nehmen und ging die technisch nicht ganz einfachen letzten Höhenmeter mit den Skiern bis zum Gipfel.


Um kurz vor 11 Uhr waren wir auf dem sehr imposanten Oberalpstock angekommen. Es war bedeckt und die Wolken haben ein wunderschönes Schauspiel an den Himmel gezaubert. Nach einem kurzen Rundumblick, Handshake und ein paar Fotos ging es dann wieder zurück zum Skidepot. Die Abfahrt via Fuorcla da Strem Sura ins Val Strem war perfekt, Firn vom Feinsten!


Zumindest bis kurz vor die Alp Strem, ab da war die Schneedecke leider nicht mehr geschlossen, sodass wir uns von Schneefeld zu Schneefeld durchkämpfen mussten. Bis es dann auf der rund 2000 m.ü.M gelegenen Alp Bauns keinen Schnee mehr gab. Mit einer kleinen Stärkung im Bauch und den Skiern auf dem Rucksack ging es die restlichen rund 600 Höhenmter auf dem Wanderweg runter nach Sedrun.


Die Wartezeit auf den nächsten Zug Richtung Andermatt haben wir im Bahnhof Buffet mit Bier und SchniPo überbrückt. Das passte perfekt in unseren Zeitplan. Von Sedrun aus ging es mit dem Zug nach Andermatt, wo wir uns von Chrigel verabschiedeten. Er fuhr übers Wallis zurück nach Bern. Unsere Reise führte uns weiter nach Göschenen, dort gab es einen kurzen Kaffee-Halt. Die Reise ging weiter nach Altdorf und von dort mit dem Postauto und Bahn wieder Richtung Obwaldner Heimat. Einmal mehr ging eine wunderschöne Tourenwoche zu Ende.


Vielen Dank an Mek und Tono. Die Idee, die Region um den Hüfifirn zu erkunden, war sehr gut und lohnenswert!



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